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„Niemand kann einem anderen ein Recht übertragen, das er nicht selbst besitzt" und eine Missachtung dessen, ist unvereinbar mit harmonischen Zusammenleben

„Niemand kann einem anderen ein Recht übertragen, das er nicht selbst besitzt" und eine Missachtung dessen, ist unvereinbar mit harmonischen Zusammenleben

In der Philosophie und Rechtswissenschaft finden sich häufig Maximen, die fundamentale Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Ethik definieren. Ein bedeutendes Beispiel hierfür ist der Grundsatz: „Niemand kann einem anderen ein Recht übertragen, das er nicht selbst besitzt" (Nemo plus juris ad alienum transferre potest, quam ipse habet). Diese juristische Maxime erstreckt sich über ihre rechtliche Relevanz hinaus und beleuchtet tiefgreifende ethische und philosophische Konzepte.

Grundsatz und Bedeutung

Der Gedanke hinter der Maxime ist einfach: Ein Individuum kann keine Rechte an andere weitergeben, die es selbst nicht besitzt. Dieses Prinzip ist fundamental für ein kohärentes und gerechtes Rechtssystem, da es die logische Grundlage dafür liefert, dass Rechte nur von einer Person an eine andere übertragen werden können, wenn der ursprüngliche Inhaber dieses Recht tatsächlich besitzt. Ein klassisches Beispiel ist das Eigentumsrecht: Wenn jemand einen Gegenstand stiehlt, hat er nicht das Recht, diesen Gegenstand weiter zu verkaufen, da das Recht, über diesen Gegenstand zu verfügen, nicht auf rechtmäßigem Weg erworben wurde.

Ethische Grundlagen des Rechtes

Die Maxime verweist auf eine tieferliegende ethische Struktur, die das menschliche Handeln leiten sollte. Ethische Prinzipien definieren das, was richtig und falsch ist, und Rechte entstehen als Ausdruck dessen, was moralisch richtig ist. Handlungen, die keinem fühlenden Wesen Leid zufügen, werden als moralisch korrekt angesehen und begründen damit Rechte. Eine Handlung hingegen, die Leiden verursacht, ist moralisch falsch und begründet kein Recht.

In einer idealen Welt wären die Rechte, die Menschen besitzen, direkte Reflexionen ihrer moralischen Pflichten. Das bedeutet, dass Rechte nur dort bestehen können, wo moralisches Verhalten vorliegt. Wenn ein Individuum also das Recht hat, etwas zu tun, dann deshalb, weil es moralisch richtig ist. Dieses Verständnis von Recht unterscheidet sich klar von der Idee, dass Gesetze oder staatliche Autorität einfach Rechte schaffen können, unabhängig davon, ob diese Rechte moralisch begründet sind.

Der Einfluss des Naturrechts

Der Gedanke des Naturrechts, wonach moralische Prinzipien objektiv sind und unabhängig von menschlichen Meinungen oder gesellschaftlichen Konventionen existieren, stützt den Grundsatz „Niemand kann ein Recht übertragen, das er nicht hat“. Im Naturrecht liegt die Annahme, dass Rechte nicht vom Staat oder einer Autorität geschaffen, sondern entdeckt werden. Ein Staat kann also keine Rechte übertragen, die von Natur aus nicht existieren. Dies ist besonders relevant in politischen Systemen, die die Herrschaft einer Gruppe von Menschen über andere rechtfertigen. Wenn Individuen von Natur aus kein Recht zur Herrschaft besitzen, können sie dieses Recht auch nicht an andere delegieren, was die Legitimität von Autorität grundsätzlich infrage stellt.

Das Streben nach Kohärenz und Harmonie

In einer kohärenten, harmonischen Gesellschaft würde der Grundsatz, dass niemand ein Recht übertragen kann, das er nicht besitzt, einen zentralen Platz einnehmen. Kohärenz ist ein Zustand, in dem Gedanken, Gefühle und Handlungen in Einklang stehen. Menschen streben nach Kohärenz, weil sie eine grundlegende Harmonie zwischen ihrem inneren Zustand und der äußeren Realität suchen. Ein System, das auf der moralischen Grundlage des Naturrechts und der Kohärenz basiert, würde auf klar definierten Rechten aufbauen, die in universellen moralischen Prinzipien verwurzelt sind. Diese Ordnung würde verhindern, dass ungerechtfertigte Autorität oder Gewaltanwendung als legitim dargestellt wird.

Eine Gesellschaft, die diesem Prinzip folgt, wäre weniger anfällig für Machtmissbrauch und willkürliche Gewalt, da Rechte nicht willkürlich geschaffen oder übertragen werden könnten. Ein System, in dem Menschen nur die Rechte besitzen und weitergeben können, die sie von Natur aus haben, würde eine Grundlage für ein friedlicheres und gerechteres Miteinander bieten.

Die Untauglichkeit von Macht und Zwang

Es ist wichtig zu erkennen, dass Machtstrukturen oft auf der Vorstellung beruhen, dass Menschen Rechte delegieren können, die sie selbst nicht besitzen. In der modernen Gesellschaft ist dies die Grundlage staatlicher Macht: Die Bürger werden so behandelt, als hätten sie das Recht, Herrschaftsrechte zu übertragen, obwohl sie diese Rechte nicht besitzen. Diese Übertragung von Rechten, die nicht existieren, führt zu Widersprüchen in der Legitimität von Autorität.

Der Einsatz von Gewalt durch den Staat wird oft durch das Gesetz gerechtfertigt, doch wenn das Recht zur Gewaltanwendung von Natur aus nicht existiert, kann es auch nicht legal oder moralisch übertragen werden. Gewalt, Zwang und Manipulation sind daher keine legitimen Mittel, um gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Eine Gesellschaft, die auf diesen Mitteln basiert, ist unweigerlich zum Scheitern verurteilt, da sie auf einem inneren Widerspruch aufbaut: Sie fordert Gehorsam und Unterwerfung unter Autorität, die selbst keine legitime Grundlage besitzt.

Schlussfolgerung

Der Grundsatz „Niemand kann einem anderen ein Recht übertragen, das er nicht selbst besitzt“ ist nicht nur eine juristische Maxime, sondern ein Ausdruck tiefer moralischer und philosophischer Wahrheiten. In einer Gesellschaft, die auf Gerechtigkeit und Kohärenz basiert, würde dieser Grundsatz als unveränderliches Prinzip angesehen werden. Wenn Rechte nur dann existieren, wenn sie moralisch begründet sind, und wenn Macht nicht auf ungerechtfertigtem Zwang basiert, wäre eine harmonische und friedliche Gesellschaft möglich. Die große Herausforderung besteht darin, diesen Grundsatz zu verstehen und anzuwenden, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Nur so kann eine gerechte und friedliche Welt Wirklichkeit werden.