3 min read

Einfluss der Durchschnittsbürger nahezu null: Keine Korrelation bei politischen Entscheidungsprozessen

Einfluss der Durchschnittsbürger nahezu null: Keine Korrelation bei politischen Entscheidungsprozessen

Die Studie von Gilens und Page (2014) untersucht den Einfluss von Interessengruppen auf politische Entscheidungen in den USA und zeigt, dass wirtschaftliche Eliten und Lobbygruppen signifikanten Einfluss haben, während der Einfluss der Durchschnittsbürger nahezu null ist. Kritiker bemängeln, dass die Studie den politischen Entscheidungsprozess vereinfacht und relevante Faktoren wie soziale Bewegungen und kulturelle Kontexte nicht ausreichend berücksichtigt. Dies wirft Fragen zur Legitimität und Effektivität der repräsentativen Demokratie auf, da sie oft nur den Willen der breiten Bevölkerung widerspiegelt, wenn dieser mit den Interessen mächtiger Eliten übereinstimmt.

Ziel der Studie: Untersuchung des Einflusses verschiedener Interessengruppen auf politische Entscheidungen in den USA.

Ergebnis: Während wirtschaftliche Eliten und organisierte Lobbygruppen signifikanten Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben, zeigt sich kein messbarer Einfluss der Präferenzen der Durchschnittsbürger.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten auf ein “Oligarchie”-ähnliches System hin, in dem politische Entscheidungen weniger durch die Präferenzen der breiten Bevölkerung als vielmehr durch mächtige Interessengruppen geprägt werden.

Fazit

Die Wahrnehmung, dass der Wille des Volkes in der amerikanischen Politik wenig berücksichtigt wird, hat empirische Unterstützung und wird oft als Zeichen dafür gesehen, dass die Demokratie in der Praxis stark eingeschränkt ist. Dies wirft Fragen über die Legitimität und Effektivität des politischen Systems auf.


Kritikpunkte an der Studie von Gilens und Page (2014):

  1. Unvollständige Berücksichtigung relevanter Einflussfaktoren:

Kritiker argumentieren, dass die Studie den politischen Entscheidungsprozess vereinfacht und nicht alle relevanten Faktoren einbezieht. Beispielsweise könnten kulturelle, institutionelle und historische Kontexte einen wesentlichen Einfluss auf politische Entscheidungen haben, der in der Analyse unterrepräsentiert ist.

  1. Vereinfachung der Machtverhältnisse:

Die Fokussierung auf wirtschaftliche Eliten und Lobbygruppen wird als problematisch angesehen, da dies die Komplexität des politischen Systems vereinfacht. Politische Macht und Einfluss sind oft verteilt und hängen nicht nur von finanziellen Ressourcen, sondern auch von ideologischen, parteipolitischen und medialen Faktoren ab.

  1. Unterschätzung sozialer Bewegungen und bürgerlichen Engagements:

Einige Forscher betonen, dass soziale Bewegungen und andere Formen des politischen Engagements von Bürgern ebenfalls erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben können. Beispiele hierfür sind die Bürgerrechtsbewegung in den USA, Umweltproteste und aktuelle soziale Bewegungen wie Fridays for Future. Diese Faktoren sind in der Analyse von Gilens und Page nicht ausreichend berücksichtigt und könnten das Bild des politischen Einflusses erweitern.

Relevanz für die Kritik an der repräsentativen Demokratie:

  • Diese Kritikpunkte verstärken das Argument, dass die repräsentative Demokratie in ihrer aktuellen Form nur dann den Willen der breiten Bevölkerung widerspiegelt, sofern er sich mit den Interessen der mächtiger Eliten deckt.
  • Zivilgesellschaftliche Proteste und soziale Bewegungen wie Fridays for Future führen nur dann zu Ergebnissen, wenn ideologische, parteipolitische und mediale Faktoren innerhalb der ideologischen Staatsapparate erfüllt werden, um einen möglichen Einfluss auf die politische Machtausübung erlangen zu können.

Es gibt eine Reihe von Studien, die den Einfluss von politischen und wirtschaftlichen Eliten in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersuchen. Einige dieser Studien weisen Parallelen zu der Arbeit von Gilens und Page (2014) auf, in der der Einfluss wirtschaftlicher Eliten und Interessengruppen auf die Politik untersucht wurde. Hier sind einige relevante Ergebnisse:

  1. Deutschland: Eine Studie von Hoffmann-Lange (1989) untersuchte den Einfluss politischer und wirtschaftlicher Eliten in Westdeutschland. Sie fand heraus, dass Inhaber von Elitepositionen eine entscheidende Rolle bei der politischen Einflussnahme spielen. Nur eine geringe Anzahl von Nicht-Eliten wie Journalisten und Akademikern wurde als Schlüsselfiguren genannt (Hoffmann-Lange, 1989).
  2. Schweiz: Hanspeter Kriesi (2006) analysierte den Einfluss politischer Eliten auf direkte demokratische Prozesse in der Schweiz und stellte fest, dass die Ergebnisse von Volksabstimmungen stark von der Machtkonfiguration innerhalb der Eliten abhängen. Konsensuelle Eliten setzen sich häufig durch, während gespaltene Eliten zu komplexeren Abstimmungsergebnissen führen (Kriesi, 2006).
  3. Schweiz (politische und wirtschaftliche Verbindungen): Eine weitere Schweizer Studie von Bühlmann et al. (2012) zeigt, dass es starke Verbindungen zwischen den politischen und wirtschaftlichen Eliten gibt. Dies erklärt, wie eng diese beiden Gruppen in der Schweiz zusammenarbeiten, um ihre Interessen durchzusetzen (Bühlmann et al., 2012).
  4. Österreich, Deutschland und Schweiz: Eine vergleichende Analyse dieser drei Länder zeigt, dass große Unternehmen und öffentliche Eliten maßgeblich die Veränderungen in der Berufsbildung beeinflussen. Wenn kleine und mittlere Unternehmen jedoch stark sind, neigen die Veränderungen eher dazu, den Status quo zu bewahren (Trampusch, 2010).

Die Forschung zeigte, dass auch hier die politischen Entscheidungen stark von den Interessen der oberen Einkommensschichten und wirtschaftlich mächtigen Gruppen geprägt sind, während die Präferenzen der breiten Bevölkerung weniger berücksichtigt werden.